Kritik einer reinen Vernunft

Hintergrund

In seinen ersten einführenden Gedanken stellt Immanuel Kant fest, dass es für die Menschheit undenkbar sei, nicht metaphysisch – dass heißt, nicht übernatürlich oder überempirisch zu denken. Er vergleicht die Notwendigkeit der metaphysischen Untersuchungen mit der des Luftholens. Beide gehören zum Mensch-Sein dazu. Allerdings empfindet er die bisherige Metaphysik als ungenügend und sogar als unmöglich. Er fordert die Einführung einer „Kritik der reinen Vernunft“, wobei Kritik hierbei mit „prüfen“, „unterscheiden“ und „rechtfertigen“ gleichzusetzen ist.

Da es in der Natur des Menschen liegt, über Dinge wie Gott, die Welt oder die Seele, welche jenseits der Natur sind, nachzudenken und zu reden, liegt eine metaphysische Intention vor. Kant unterscheidet hier aber ausdrücklich zwischen den Theorien der Metaphysiker, beispielsweise den verschiedenen Gottesbeweisen, da er annimmt, dass der eigentliche Sinn in Worten nicht adäquat ausgedrückt werden kann. Der Metaphysik stellt er die „sicheren“ Wissenschaften Logik, Mathematik und Physik entgegen. Er fragt also danach, wie man erkennen kann, ob die eigentliche metaphysische Intention getroffen ist. Wobei diese stets durch die Artikulation in Worten und Gedanken verfälscht sein kann.

Die Erkenntnisart der reinen Vernunft und Metaphysik

Um die Metaphysik dennoch möglich zu machen, setzt Kant die kritische Vernunft ein, welche sämtliche
Sätze überprüfen soll. Die reine Vernunft muss auch sich selbst prüfen und rechtfertigen.

Die Erkenntnisart der Vernunft erläutert Kant durch eine doppelte Unterscheidung:

  1. Es gibt Erfahrungserkenntnis a posteriori, die die metaphysische Erkenntnis von der Erfahrung
    abhängig macht.
  2. Außerdem gibt es die Erkenntnis a priori, welche den Versuch unternimmt, die Wirklichkeit einer Sache durch bloßes Nachdenken zu erkennen.  Des weiteren haben Aussagen der Metaphysik keinen analytischen, sondern synthetischen Charakter. Bei einer synthetischen Aussage ergänzt das Prädikat das Subjekt, während bei einer analytischen Aussage das Prädikat durch das Subjekt impliziert wird, so dass die analytische Aussage keinen Erkenntnisgewinn liefert.
    Die Grundfrage der Kritik der reinen Vernunft ist also die Frage: „Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?“ Während in konkreten Wissenschaften wie Mathematik und Physik solche synthetische apriorischen Sätze gebildet und bewiesen werden können, fehlt in der Metaphysik die Mölichkeit eines Beweises. Mathematik und Physik haben durch die Methode des Zählens (bzw. des Experimentierens) nach Kant eine Revolution durchgemacht. Es muss nun auch eine neue Methode gesucht werden, die die Metaphysik  zu einer sicheren Wissenschaft machen kann. Kant sieht diese in der Kritik der reinen Vernunft. Er schlägt eine Revolution der Denkart vor (2. Kopernikanische Wende) und kommt zu dem Ergebnis, dass die Metaphysik bislang von der falschen Annahme ausgegangen sei, die Erkenntnis müsse sich nach ihren Gegenständen richten. Stattdessen müssen sich umgekehrt die Gegenstände nach der Erkenntnis richten.
    Des weiteren fordert Kant eine transzendentale Philosophie zur Einschränkung der Metaphysik. Transzendental sind diejenigen apriorischen Vorstellungen, welche notwendige Bedingungen für die Möglichkeit von Erfahrungen sind. Als Erkenntnis zweiter Stufe geht das transzendentale Denken von der Gegenstandserkenntnis der ersten Stufe aus.

Ergebnisse der Vernunftkritik

Die Metaphysik ist möglich, aber laut Knat nur unter folgenden Bedingungen:

  • Metapysik als ein transzendentales Zurückfragen nach den Bedingungen, die dem Empirischen nicht dem Übersinnlichen ansich, vorausgehen.
  • Die menschliche Erkenntnis basiert dabei auf dem Vermögen der Sinnlichkeit (Rezeptivität) und des Verstandes (Spontaneität). Die Erkenntnis der Gegenstände wird jedoch erst dadurch möglich, dass Begriffe zu diesen „gedacht“ werden und diese wiederum nach Regeln zusammengefasst und geordnet werden.
  • Als drittes Vermögen kommt die Urteilskraft hinzu, die entscheidet, welcher Begriff nun dem Gegenstand zuzuordnen ist.
  • Alle Wahrnehmungen sind nur durch Raum und Zeit möglich, welche wiederum selbst nicht wahrgenommen werden. Raum und Zeit sind Formen reiner Anschauung.