Zeitalter der Aufklärung

René Descartes (Porträt von Frans Hals, 1648)
René Descartes
(Porträt von Frans Hals, 1648)

Unter dem Begriff Aufklärung versteht man den individuellen sowie gesellschaftlichen geistigen Emanzipationsprozess, der Autoritäten kritisch hinterfragt und damit eine Selbstbestimmung des Individuums bedingt.

Aufklärung im Sinne einer Herrschaft der Vernunft fand bereits im 17. Jahrhundert statt. Zur Hochzeit französischer und aristokratischer Machtentfaltung wirkten die Philosophen René Descartes und Gottfried Johann Leibniz.

Die Epoche der Aufklärung als gesamteuropäische Geistesbewegung  erstreckte sich dann etwa von 1730 bis 1800. Sie war geprägt durch eine Bewegung der Säkularisierung und einer Abkehr von der absolutistischen hin zur demokratischen Staatsauffassung. Der Liberalismus und das Konzept der Menschen- und Bürgerrechte entstanden, erstmals festgehalten in der amerikanischen Declaration of Independence 1791.

Die Aufklärung war eine Bewegung des aufstrebenden Bürgertums, das am bisherigen politischen Gestaltungsprozess aufgrund der Ständeordnung nicht teilhaben dürfte. Die geistige Aufklärung ging zunächst von Frankreich, England und den Niederlanden, später auch von Deutschland aus. Das logische und eigenständige Denken, der Rationalismus, begründete die Aufklärung. Ursprünglich kritisierten die Aufklärer den Dogmatismus der Religion und der absolutistischen Herrscher. Die Bedeutung der Erkenntnis aus Sinneseindrücken (Empirismus) wuchs und Weisheit und Intellekt wurden zur Tugend eines jeden Bürgers. Der menschliche Verstand als Instrument der Wahrnehmung sollte nicht länger im Dienste von Klerus und Aristokratie stehen.

Die Rolle der Naturwissenschaften

DampfmaschineZahlreiche bahnbrechende naturwissenschaftliche Entdeckungen fallen in die Zeit der Aufklärung, beispielsweise Newtons Gesetz der Schwerkraft, Keplers Abhandlung über die Bewegung der Planeten oder die Nutzung der Dampfkraft durch James Watt. Durch die Etablierung neuer Thesen und Erfindungen war der technische Fortschritt nicht aufzuhalten. Grundlage dessen war die empirische Methode Newtons, der seine wissenschaftlichen Arbeiten nicht mehr nur auf bloße Vermutungen stützte, sondern systematisch forschte: Beobachtung – Verallgemeinerung – Experiment – Erkenntnis, gemessen an RATIO (der Vernunft). Diese Vorgehensweise dehnte sich auf alle Lebensbereiche aus.

Die Rolle des Bürgertums

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in einer Darstellung von Jean-Jacques Le Barbier
Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in einer Darstellung von Jean-Jacques Le Barbier

Durch die ökonomischen Veränderungen, beispielsweise der Entwicklung des Manufakturwesens,  wurde das Bürgertum zur wirtschaftlich bedeutendsten Schicht und erlangte ein neues Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Angetrieben vom entstehenden Wirtschaftsliberalismus entwickelten sich die Bürger auch politisch langsam zu den Trägern der Ideen eines neuen Zeitalters. Sie forderten die Einräumung der Menschenrechte, beispielsweise im Zuge der Französischen Revolution (1789- 1799) und die Kontrolle der Herrschenden durch die Bürger in Form von Gewaltenteilung und Wahlrecht (Montesquieu, Rousseau). Durch den Buchdruck wurde der Bucherwerb für das bürgerliche Publikum erschwinglich und es entstand erstmals ein Buch- und Zeitungsmarkt in Europa. Durch Wissen und Bildung wollten sich die modernen Bürger von Adel und Klerus absetzen. Es entwickelten sich Lesegesellschaften, welche des Lesens nicht mächtige Bürger an die Literatur heranführten. Bevorzugt beschäftigte man sich mit der Reiseliteratur, die den Europäern erstmals das Leben anderer Kulturen und den Glauben anderer Religionen näherbrachte – damit wurde die Forderung nach religiöser Toleranz laut.

Für die Aufklärung bestimmend sind neben Rationalismus und Empirismus u. a. die folgenden Auffassungen:

  • Kritik an Kirche und religiösem Dogmatismus
  • Kritik an der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung
  • unbedingter Fortschrittsglaube
  • Toleranz in Gesellschaft, Politik und Religion
  • Weltbürgertum (Kosmopolitismus)
  • Individualismus
  • Deismus ( Lehre, wonach Gott die Menschen und die Welt zwar erschaffen hat, dann aber in den Weltengang nicht mehr eingreift)